Akute Mittelohrentzündung (OMA) – Mittelohrinfektion bei Kindern

Die akute Mittelohrentzündung (OMA) ist eine plötzlich auftretende Infektion und Entzündung des Mittelohrs, die vor allem Kinder betrifft, aber auch bei Erwachsenen vorkommen kann. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche und für den Einsatz von Antibiotika im Kindesalter.


Was ist das Mittelohr und warum entzündet es sich?

Das Mittelohr ist der Raum hinter dem Trommelfell, der über die Eustachische Röhre (Ohrtrompete) mit der Nase verbunden ist. Wird diese Verbindung blockiert – meist im Rahmen einer Erkältung oder eines Infekts der oberen Atemwege –, staut sich das Sekret und es entsteht ein idealer Nährboden für die Vermehrung von Bakterien oder Viren.


Akute Mittelohrentzündung: Infektion des Mittelohrs bei Kindern

Ursachen (Ätiologie)

  • Virale Infektionen (gehen der Mittelohrentzündung häufig voraus): Erkältungs- und Grippeviren usw.
  • Bakterielle Infektionen:
    • Streptococcus pneumoniae
    • Haemophilus influenzae
    • Moraxella catarrhalis

Risikofaktoren

  • Junges Alter (am häufigsten bei Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren)
  • Kindertagesstätten und geschlossene Räume mit vielen Kindern
  • Passivrauchen
  • Füttern mit der Flasche im Liegen
  • Vergrößerte Rachenmandel (Adenoide)
  • Familiäre Häufung von Ohrinfektionen

Die wichtigsten Symptome

  • Starke Ohrenschmerzen (besonders nachts)
  • Hohes Fieber (38–40 °C)
  • Schlafstörungen, Unruhe, häufiges Weinen bei Kindern
  • Vorübergehender Hörverlust (Gefühl eines „verschlossenen“ Ohrs)
  • Sekretaustritt aus dem Ohr bei Trommelfellperforation (Otorrhö)
  • Appetitlosigkeit und Erbrechen (vor allem bei Kleinkindern)

Wie wird eine akute Mittelohrentzündung diagnostiziert?

  • Untersuchung mit dem Otoskop: Der Arzt beurteilt das Trommelfell auf Entzündung, Rötung oder Flüssigkeit dahinter
  • In manchen Fällen: Tympanometrie (Messung des Drucks im Mittelohr)
  • Die Diagnose wird in der Regel anhand der Symptome und des klinischen Befundes gestellt

Behandlung der akuten Mittelohrentzündung

🔹 Symptomatische Behandlung:

  • Paracetamol oder Ibuprofen gegen Schmerzen und Fieber
  • Eine warme Kompresse auf dem Ohr kann die Schmerzen lindern

🔹 Antibiotika:

  • Nicht jeder Fall erfordert ein Antibiotikum
  • Bei Kindern >2 Jahre mit leichten Beschwerden kann über 48–72 Stunden ein „aktives Zuwarten“ erfolgen
  • Wenn Antibiotika notwendig sind, werden meist verordnet:
    • Amoxicillin (Mittel der ersten Wahl)
    • Bei Allergie: Azithromycin oder Cefixim

🔹 Operative Eingriffe:

  • Bei wiederkehrenden Entzündungen (chronische Otitis) oder anhaltendem Paukenerguss: Einlage von Paukenröhrchen zum Druckausgleich und zur Ableitung der Flüssigkeit

Mögliche Komplikationen

  • Trommelfellperforation
  • Otitis media mit Erguss (nach der Infektion verbliebene Flüssigkeit)
  • Vorübergehender Hörverlust
  • Mastoiditis (Infektion des Knochens hinter dem Ohr)
  • Verzögerte Sprachentwicklung bei Kindern mit häufigen Mittelohrentzündungen

Wie lässt sich einer Mittelohrentzündung vorbeugen?

  • Stillen in den ersten 6 Lebensmonaten
  • Vermeidung von Tabakrauch
  • Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung während einer Erkältung
  • Impfungen (zum Beispiel gegen Pneumokokken und Grippe)
  • Beratung durch einen HNO-Arzt bei Problemen mit der Rachenmandel oder wiederkehrenden Infektionen

Fazit

Die akute Mittelohrentzündung ist eine sehr häufige und meist harmlose Erkrankung, die jedoch aufmerksam beobachtet werden sollte, insbesondere bei kleinen Kindern. Eine geeignete Behandlung und das Befolgen der ärztlichen Empfehlungen sind entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und das Hörvermögen zu schützen.


📌 Hinweis für Eltern: Wenn Ihr Kind Ohrenschmerzen oder Fieber hat oder auf Geräusche nicht gut reagiert, warten Sie nicht – lassen Sie es ärztlich untersuchen, um mögliche Komplikationen zu vermeiden.