Der BERA-Test (Brainstem Evoked Response Audiometry) ist ein modernes Verfahren zur Diagnostik von Hörverlust und zur Beurteilung jener Nervenbahnen, die die Hörsignale vom Ohr zum Gehirn weiterleiten. Er ist besonders wichtig, um Hörstörungen und neurologische Probleme bei Personen zu erkennen, die keine subjektive Rückmeldung geben können – insbesondere bei Säuglingen sowie bei Erwachsenen mit Einschränkungen. In diesem Beitrag erläutern wir, wie der BERA-Test abläuft und welche Ergebnisse dabei zu erwarten sind.
Was ist der BERA-Test und wofür wird er eingesetzt?
Der BERA-Test ist eine objektive Methode, mit der die Reaktionen des Gehirns auf Töne gemessen werden, die dem Ohr zugeführt werden. Die Messung erfolgt über Klebeelektroden am Kopf, die die im Hirnstamm erzeugten elektrischen Signale aufzeichnen. Der Test liefert detaillierte Informationen über die Funktion des Hörsystems und wird häufig eingesetzt für:
- die frühzeitige Diagnose von Hörverlust bei Säuglingen und Kleinkindern,
- die Erkennung neurologischer Störungen, die die Weiterleitung der Töne beeinträchtigen,
- die Beurteilung des Hörvermögens bei Personen, die keine subjektive Rückmeldung geben können oder Einschränkungen haben.
BERA ist eine nicht-invasive und schmerzfreie Untersuchung, die in der Regel unter klinischen Bedingungen durchgeführt wird.
Wie läuft der BERA-Test ab?
- Vorbereitung der Patientin oder des Patienten
Der BERA-Test erfordert eine ruhige und angenehme Umgebung. Die Patientin oder der Patient wird in eine entspannte Position gebracht; bei Säuglingen erfolgt die Untersuchung meist im Schlaf. Die Klebeelektroden werden am Kopf und in der Nähe der Ohren angebracht, um die elektrische Aktivität als Antwort auf akustische Reize zu erfassen. - Akustische Stimulation
Das BERA-Gerät sendet über spezielle Kopfhörer Schallimpulse an die Ohren, während die Elektroden die elektrischen Antworten aufzeichnen, die den Hirnstamm durchlaufen. Diese Impulse bestehen üblicherweise aus Klickgeräuschen oder verschiedenen Rauschsignalen, die eine Analyse der Reaktion des Hörsystems ermöglichen. - Aufzeichnung der Ergebnisse
Das BERA-Gerät erstellt eine Kurve, welche die elektrische Aktivität im Gehirn als Antwort auf die Töne darstellt. Diese aufgezeichneten Kurven beziehungsweise Wellen werden von der Audiologin oder dem Audiologen ausgewertet, um die Funktion des Hörnervs und der Nervenbahnen zu beurteilen, die den Schall zum Gehirn weiterleiten.
Welche Ergebnisse sind vom BERA-Test zu erwarten?
Die Ergebnisse des BERA-Tests werden als Kurve mit mehreren Wellen dargestellt, die den elektrischen Antworten im Gehirn entsprechen. Zu den wichtigsten Wellen, die in der Audiologie ausgewertet werden, gehören:
- Latenz der Wellen: Jede Welle weist eine bestimmte Latenzzeit (Verzögerung) auf, die in Millisekunden gemessen wird. Diese Latenzen helfen dabei festzustellen, ob ungewöhnliche Verzögerungen vorliegen, die auf ein Problem im Hörsystem hinweisen können.
- Form und Position der Wellen: Zu den wichtigsten ausgewerteten Wellen zählen die Wellen I, III und V, die unterschiedliche Stationen auf dem Weg des Schalls zum Gehirn abbilden. Jede Abweichung in Form oder Position dieser Wellen kann ein Hinweis auf eine mögliche Störung des Hörsystems oder der an der Schallweiterleitung beteiligten Nerven sein.
- Reizintensität und Empfindlichkeit der Antworten: Die Reaktion des Gehirns auf Reize niedriger und hoher Intensität hilft, die Hörempfindlichkeit zu bestimmen. Eine schwache Antwort auf Reize geringer Intensität kann auf einen Hörverlust hindeuten.
Was lässt sich mit dem BERA-Test diagnostizieren?
- Hörverlust auf Ebene des Hörnervs
Der BERA-Test kann Schädigungen des Hörnervs oder der Nervenbahn aufdecken, die den Schall zum Gehirn weiterleitet. Das ist hilfreich, um einen sensorineuralen Hörverlust (im Innenohr) von einem Hörverlust zu unterscheiden, der vom Hörnerv ausgeht. - Neurologische Störungen
BERA ist wertvoll für die Diagnostik neurologischer Störungen, die das Hören beeinträchtigen – etwa Tumoren des Hörnervs (Akustikusneurinom), Schädigungen des Hirnstamms oder andere Erkrankungen, welche die Hörbahnen betreffen. - Hörprüfung bei besonderen Patientengruppen
Bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei Menschen mit Einschränkungen ist BERA die wichtigste Möglichkeit, das Hörvermögen genau zu beurteilen, da der Test keine aktive Mitarbeit erfordert.
Fazit
Der BERA-Test ist eine präzise und zuverlässige diagnostische Methode zur Beurteilung des Hörvermögens sowie zur Aufdeckung von Störungen des Hör- und Nervensystems. Da er eine objektive Beurteilung ohne subjektive Mitarbeit ermöglicht, ist er besonders für besondere Patientengruppen geeignet, etwa für Säuglinge und für Menschen mit neurologischen Störungen. Werden Hörverlust und neurologische Probleme mithilfe des BERA-Tests früh erkannt, lassen sie sich besser behandeln, was die Lebensqualität deutlich verbessern kann.